Die ersten Hürden hatte ich also hinter mich gebracht. In unserem Gespräch erklärte mir Anna, dass ich zunächst die Möglichkeit habe, einige bekannte Herren auf ein Date zu treffen, um auch so für mich entscheiden zu können, ob diese Tätigkeit wirklich die Richtige für mich sei. Erst nach positiver Rückmeldung sollte mein Profil dann für alle sichtbar auf der
Webseite online gehen. Ich war sehr erleichtert darüber, denn so konnte ich mich wirklich ganz bewusst und in meinem Tempo an die Sache herantasten und wurde nich direkt in kalte Wasser geworfen.

Ich kann mich noch ganz genau an den Moment erinnern, als Anna mir die
Bestätigung meines ersten Dates zusendete. Ich befand mich gerade im Urlaub im sonnigen Portugal, allerdings nicht cocktailschlürfend auf einer Luftmatratze treibend im Mittelmeer, sondern in einer eher hektischen Situation am Flughafen. Die Nachricht ließ mich sofort alles um mich herum vergessen und mein Herz sackte mir in die Hose – obgleich doch noch so viel Zeit verstreichen würde! Ich wurde aufgeregt, zugleich erwartungsvoll und wäre am liebsten direkt wieder in den Flieger zurück gestiegen, um endlich mein allererstes Escort-Date zu erleben.

Mit der Bestätigung erhielt ich eine Mail mit all den Informationen, die ich für mein anstehendes Date benötigte. Der Kunde war jung, ruhig und einfühlsam, und kam auch bei anderen Damen in der Vergangenheit äußerst positiv an. Der Hotelname sagte mir gar nichts, aber das verwunderte mich überhaupt nicht, da ich mich nicht erinnern kann, jemals in einem Hotel meiner Umgebung gewesen zu sein (aus welchem Grund auch? 😉 ). Eine konkrete Vorstellung bezüglich meines Outfits war ebenfalls beigefügt. Obwohl ich wusste, dass ich sicher in den Tiefen meines reichlich bestückten Kleiderschrankes etwas Passendes finden würde, durchstöberte ich direkt die einschlägigen Onlineshops. Bei meinem ersten
Date musste alles perfekt sein! Alles sollte sorgfältige ausgewählt sein…

Schließlich war es soweit: von der portugiesischen Sonne geküsst und mit stetig wachsender Vorfreude kehrte ich in das schöne Düsseldorf zurück. Schon am nächsten Tag sollte der große Augenblick gekommen sein. Inzwischen hatte ich schon einige Telefonate mit Anna hinter mir, in denen ich ihr meine immer konkreter werdenden Fragen stellen konnte.
Nun, wo das erste Treffen so kurz bevor stand, hatte ich die banalsten Fragen im Kopf: Sollte ich den Kunden duzen oder siezen? Was antworte ich, wenn er mich fragt, was ich trinken möchte? Doch Anna beantwortete jede einzelne Frage geduldig und schärfte mir zudem die wichtigen Sicherheitsregeln, die stets zu beachten waren ein. Direkt nach den Telefonaten fühlte ich mich sofort wieder sicher, aber Zweifel kamen dennoch in einzelnen Momenten auf.

Ich legte mich besonders früh schlafen, obwohl von Schlaf nicht wirklich die Rede sein konnte: unruhig wälzte ich mich im Bett hin und her. Was, wenn ich ihm nicht gefiele? Und was, wenn mich jemand „enttarnte“? Den nächsten Tag hatte ich komplett durchgeplant und schon mehrfach vor meinem inneren Auge durchgespielt: Ich stand auf, putzte mir die Zähne, schlüpfte in meine Sportkleidung und machte mich auf den Weg zum Laufen. Im Wald konnte mein Gemüt etwas herunterkommen und ich konnte all meine Sinne schärfen. Das hatte ich heute besonders nötig. In der heißen Dusche cremte ich mich besonders großzügig mit der herrlichduftenden Bodylotion ein. Dann machte ich mich ans Styling. Musik durfte dabei nicht fehlen! Summend lackierte meine Nägel rot und machte mich ans Styling. Nicht zu viel, weniger ist mehr – das war die Devise, die Anna mir nahe gelegt hatte. Da ich mich im Alltag eigentlich gar nicht schminkte, war ich darüber sehr dankbar. Mit einem aufwändigen Abend Makeup wäre ich noch heillos überfordert gewesen. Ich drehte mir leichte Locken in die frischgewaschenen Haare und tuschte meine Wimpern schwarz. Schließlich kam auch der roten Chanel-Lippenstift zum Einsatz, der nur auf die besonderen Anlässe wartet. Ich trug mein Lieblingsparfum auf und betrachtete mich prüfend im Spiegel. Gut, das sollte passen. Mein Outfit lag schon lange bereit und war von Anna abgesegnet. Nun konnte es losgehen….

Ich nahm die Bahn, ein Auto besaß ich nicht, und ich hatte meine Heels zum Wechseln in meiner großen Tasche, in der ich auch das ein oder andere pikante Detail verstaut hatte … 😉 Allein dieses Wissen machte diese Bahnfahrt zur aufregendsten bisher. Ich war natürlich viel zu früh am Hotel. Die Umgebung gab auch nicht viel her – wo also konnte ich mich die noch verbleibende Stunde aufhalten, um meinen Puls zu beruhigen? Schließlich fand ich eine kleine Parkbank am Wegrand. Immer, wenn ein Spaziergänger zu mir herüberblicke, senkte ich instinktiv meinen Blick, als könne man mir ansehen, was ich gleich vorhatte. Nervös knetete ich meine Hände. Es war mein erstes Blind-Date. Wie er wohl war? Ich sollte es gleich erfahren…