Corona, Menschenmassen, Körperkontakt – drei Dinge, die nicht zusammenpassen. Kein Wunder also, dass es die Branchen, in denen große Besucherzahlen oder intime Annäherungen die Regel sind, am schlimmsten getroffen hat. Um daran zu erinnern, und um öffentlich zu zeigen, wie ernst die Lage ist, haben in der Nacht vom 22. zum 23. Juni 2020 rund 8.200 angemeldete Firmen in Deutschland wichtige institutionelle Bauwerke in mahnendem Rot anscheinen lassen. Ein Zeichen für Zusammenhalt, aber auch für die Ernsthaftigkeit der Corona-Krise.

Corona und wie es die Welt isoliert

Seit Mitte März 2020 ist die Welt aufgrund des Coronavirus in absolutem Ausnahmezustand. Ein- und Ausreiseverbote, Lockdowns, Ausgangssperren, Hamsterkäufe. Was dystopisch klingt, ist zur Wirklichkeit geworden. Zwar ohne Zombies, aber mit der sich derzeit wandelnden Arbeitswelt dürften einige Arbeitskolleginnen und -kollegen dem Untoten-Dasein in den vergangenen drei Monaten zumindest optisch ein wenig nähergekommen sein – im Home-Office.

Für einige Branchen schien Corona wie ein Segen zu sein. Da Auslandsreisen wegbrachen, stiegen Fahrradverkäufe ins Unermessliche; und da man die Wohnung nicht verlassen durfte, machten Versandhändler die Umsätze ihres Lebens. Digitale Branchen sattelten nun zu 100 % auf Heimarbeit um. Aus Arbeit wurde Zuhause, und umgekehrt. Und überhaupt: Das ganze Leben veränderte sich. Aus Offenheit wurde Abgeschottet-Sein, und aus einer Vielzahl wurde die Einzahl – mittlerweile für eine erschreckend lange Zeit. 

Für Branchen, die den kulturellen Austausch und menschlichen Kontakt brauchen, in denen eng umschlungen getanzt und bei guten Drinks gelacht und sich umarmt wird, ist Isolation das über dem Kopf pendelnde Damoklesschwert: keine Auftritte, keine Konzerte, keine Disco, keine Hochzeiten, kein Knutschen, kein gar nichts. Einfach so. Und wenn Einkommenszweige wegbrechen, gibt es auch keinen anständigen Jahresumsatz. Stattdessen gibt es Existenzängste, Sorgen und leere Hallen. Grund genug also, sich nach drei Monaten und mit den nun auftretenden ersten Lockerungen mal ordentlich bemerkbar zu machen – mit der Night of Light. 

Night of Light: Mit Rotlicht gegen Corona

Während der Nacht vom 22. auf den 23. Juni 2020 wurden in Deutschland unzählige wichtige Bauwerke mit rotem Licht angestrahlt, darunter auch viele Clubs, Bars und kleinbetreibende Gewerbe. All die, die auf menschlichen Kontakt angewiesen sind – auf Gespräche, auf Handschläge, auf Umarmungen und allgemein persönliche Nähe – trugen ihren Teil dazu bei. Das Rot untermalte dabei die Dringlichkeit des Appels. Denn Rot als Warnfarbe sagt: „Es ist eilig und dringend.“ Aber auch: „Es ist gefährlich.“ Und das ist es auch. Denn die vergangenen drei Monate waren für viele Unternehmen eine lange Zeit – vor allem in der Veranstaltungsbranche. Aber auch ein Unternehmenszweig, der die Farbe Rot seit jeher für sich beansprucht, hatte stark unter Corona zu leiden: Die Erotikbranche.

Corona und die Erotikbranche – küssen verboten?

Das Corona-Virus, das seit Mitte März die gesamte Welt in Atem hält, wird vor allem durch Tröpfcheninfektion übertragen. Küsse, zärtliches Schmusen und auch enger Körperkontakt sowie intime Gespräche sind somit tabu. Das bedeutete einen tiefen Schlag für die Erotikbranche. Die ganze Infrastruktur lag brach: Bordelle, Stripclubs, Hotels, Touristenzentren – all die Orte, die Treffpunkt und erotischer Spielplatz zugleich waren, waren plötzlich geschlossen. Die erotische Welt auf der Ersatzbank. Zwar gibt es mittlerweile auch wieder ein paar Lockerungen, doch vom Optimum, vom vergnügten und intensiven Austausch der Geschlechter, ist die derzeitige Welt noch ein gutes Stück entfernt.  

Viele haben sich in der Isolation anderen Freuden hingegeben. Aktuelle Zahlen zeigen beispielsweise, dass der Verkauf von Erotikartikeln und der Konsum von Erotikfilmen deutlich angestiegen sind. Das legt die Vermutung nahe, dass die Menschen in diesen Bereichen offener und auch toleranter geworden sind. In jedem Fall zeigt es, dass die Menschen auf Erotik nicht verzichten möchten. Jedoch ersetzt ein Spielzeug und ein zweidimensionales Filmchen noch lange nicht die erotische Intimität, die beispielsweise ein Wochenende mit einer selbstständigen, emanzipierten und attraktiven Escortlady mit sich bringt. Distanz mag zwar Befriedigung schaffen können, aber keine intime Nähe. Nur Nähe schafft Nähe. Und daher ist die Night of Light des 22. Junis 2020 in ihrem betörenden Rot nicht nur ein Mahnmal für die Dringlichkeit in der Veranstaltungswelt, sondern auch ein Zeichen für die absolute Unverzichtbarkeit von Intimität und Erotik.