Es war ungewöhnlich heiß in New York City. Ich spielte nervös mit dem Strohhalm, welcher in meiner eisgekühlten Zitronenlimonade steckte und strich den Stoff meines Bleistiftrocks glatt. „Ehm.. wie meinten Sie das eben?“ fragte ich auf Englisch und blicke in die Augen meines Chefs, der mir zum Lunch gegenüber saß.

Soeben hatte mir dieser eröffnet, wie sehr ihn sein Singleleben doch langweile und mir angeboten, das Wochenende mit ihm in den Hamptons zu verbringen. So etwas kannte ich bisher nur aus Filmen, ich war wahnsinnig aufgeregt und mein Herz schlug unruhig gegen meine Brust. Nach einigen Sätzen wusste ich: Sein Angebot war ernst gemeint. Er wollte Zeit mit mir verbringen, auch erotisch, und sich mit einigen Annehmlichkeiten revanchieren. Da ich zu diesem Zeitpunkt eine glückliche Beziehung führte, lehnte ich dankend ab. Trotzdem konnte ich nicht verhindern, dass es in meinem Kopf ratterte. Es gibt sie also tatsächlich, die schönen Geliebten der besser betuchten Männer, die von jenen auf Händen getragen werden. Es gibt sie nicht nur, ich bin mitten unter ihnen.

Wie aufs Kommando schlug das Tor zu dem kleinen Café der Dachterrasse am Bryant Park auf. Eine junge Dame, schätzungsweise Mitte 20, auf High Heels und in einem atemberaubenden Sommerkleid erschien auf der Bildfläche. Ihre dunkles, leicht gewelltes Haar fiel wie ein seidener Stoff über ihre Schultern. Mit festem Schritt und entschlossenem Blick steuerte sie auf einen der romantischen Gartentische zu. Mein Blick folgte ihr. Am Tisch saß ein eleganter Businesstyp im Anzug, in eine Ausgabe der New York Times vertieft, der zuvor ab und an mal suchend aufgeblickt hat. Als sie ihn erreichte, lächelte er und stand auf, um ihr zur Begrüßung beide Wangen zu küssen und ihr den Stuhl zurecht zu rücken. Irgendetwas verriet mir, dass sich die beiden bisher noch nie begegnet sind. Ihr offenes, schallendes Lachen, wenn er wohl etwas Amüsantes erzählte, die Art wie sie sich die Haare zurückstrich und er ihre beiden Hände ergriff ließ sie jedoch nicht mal zehn Minuten später wie ein vertrautes Paar wirken. Kurze Zeit später schob er die New York Times ohne große Geste zu ihr herüber, die sie daraufhin diskret in ihre Tasche gleiten ließ.

Nun, mir ist bewusst, dass meine Beobachtung eine Begegnung jeder Art gewesen sein könnte und doch verblieb sie in meinem Gedächtnis. Auch ein Jahr nach erfolgreicher Beendigung des Auslandspraktikums, ledig und unbeschwert, hatte ich mein Erlebnis nicht vergessen. Mit einem Glas gutem Weißwein zu meiner Rechten, meinem Laptop zu meiner Linken, begann meine Online Recherche. Und tatsächlich: Begleitservice-Agenturen gibt es nahezu wie Sand am Meer, allein in meiner Heimatstadt! In den schönsten Kleidern, teuersten High Heels und sündigsten Dessous posierten die Damen lächelnd vor der Kamera. Allerdings wurde mir schnell bewusst, dass auch dort die Spreu vom Weizen zu trennen ist. Eine Agentur stach jedoch in allen Dingen besonders hervor: Escort Deluxe. Allein der Name lässt keine Zweifel offen: hier war ich goldrichtig. Besonders die natürlichen und ästhetischen Fotos der Damen haben es mir angetan. Alle Inhalte wirkten erlesen und sorgfältig ausgesucht.

Ich wählte den Menüpunkt „Casting“ aus und studierte die Anforderungen an ein Escort-Model. Im Kopf setzte ich instinktiv Häkchen, wenn ein Punkt auf mich zutraf. Nach den Fakten müsste ich eigentlich nicht ganz falsch liegen, dennoch fühlte ich mich von den außerordentlich attraktiven Models ein wenig eingeschüchtert. Überschätzte ich meine Person auch nicht? Auch hier gab es ein vorgefertigtes Bewerbungsformular auf ihrer Homepage, dass lediglich mit den eigenen Daten und Bildern zu füllen war. Neben den gängigen wie „Name“, „Geburtsdatum“ und „Wohnort“ wurde hier auch nach „Körpermaße“, „Gewicht“ und „Körbchengröße“ gefragt. Ich wurde immer unsicherer im Hinblick auf mein Vorhaben, wo es doch nun so greifbar erschien. Im letzten Punkt war eine kurzer Selbstbeschreibung in eigenen Worten gefasst. Ich kann mich noch genau erinnern, was meine Worte waren: „ Ich bin eine 21-jährige Jurastudentin, die mit Escort gerne etwas Neues ausprobieren möchte. Ich bin offen, freundlich, eloquent und gebildet. In meiner Freizeit lese ich gerne, spiele Klavier und mache viel Sport. Ich interessiere mich schon lange für die Branche und habe großes Interesse, eine ihrer Escort Damen zu werden. Über eine positive Rückmeldung ihrerseits würde ich mich sehr freuen.“ Heute hätte ich es vermutlich nicht anders formuliert. Ich drücke mich oft erst nüchtern aus bevor ich weiß, mit wem ich es zu tun habe. Nun gut, so fasste ich mir schließlich ein Herz und klickte auf „Absenden“.

Kurze Zeit später traf eine Mail bei mir ein. Meine Bewerbung sei positiv aufgefallen! Ich wurde zum Telefongespräch eingeladen. Jetzt wurde es also ernst. Ich muss sagen, dass ich ziemlich froh darüber war, erst einmal per Telefon mit Anna in Kontakt zu treten. Hätte ich direkt einen Termin zum persönlichen Kennenlernen erhalte, hätte ich vermutlich einen Rückzieher gemacht. Aufgeregt wartete ich auf den eintrudelnden Anruf. Dann klingelte mein Handy. Ich war sofort von Annas sympathischen Stimme angetan und habe mich direkt wohlgefühlt. Am Ende des Gesprächs, wurde dann auch auch Termin zum Vorstellungsgesprächs vereinbart.

Schließlich war es so weit. Ich war auf alles gefasst – und wurde dennoch überrascht. Ich hatte mir ausgemalt, bis aufs kleinste Detail inspiziert und mit eine Liste von notwendigen Veränderungen meiner Erscheinung konfrontiert zu werden, aber nichts dergleichen geschah. Vielmehr fragte Anna mich nach meinen Interessen und Leidenschaften, was mich bewegt und wo ich mich sehe. Das alles in vollkommen ungezwungener Atmosphäre. Hatte ich bis dahin Bedenken, wohlmöglich nicht in diese Welt zu passen, so wurden mir diese direkt genommen.

An dieser Stelle möchte ich gern auf Escort Deluxe zu sprechen kommen. Ich habe wirklich unfassbar großes Glück, direkt auf diese Agentur gestoßen zu sein und ich könnte mir keine bessere wünschen. Als absoluter Neuling wurde geduldig auf all meine Fragen eingegangen und mir Unsicherheiten genommen. Ich bin dankbar für alle die Telefonate, Hinweise und Ratschläge ganz gleich welcher Art. Wie spät die Stunde auch sein mag, zu der ich mich vom Date verabschiede, ich kann stets auf ein offenes Ohr am anderen Ende vertrauen. Ich schätze die Zusammenarbeit sehr und habe es bis heute nicht bereut, diesen Schritt für mich zu wagen.